Vorbemerkung

 

Das Europäische Institut für Tagungswirtschaft (EITW) hat im Auftrag des Europäischen Verbandes der Veranstaltungs-Centren e.V. (EVVC), der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) und des German Convention Bureau e.V. (GCB) das „Meeting- & EventBarometer 2010/2011“ auf der Grundlage von Befragungen sowohl der Anbieterseite wie der Veranstalterseite erstellt. Es kann hier www.eitw.de/node/19 heruntergeladen werden.

 

1. Warum räumliche und organisatorische Trennung zwischenKongresshalle und Tagungsbereich?

Der jetzt zur Realisation ausgewählte Entwurf sieht am Teilstandort Mälzerei nurmehr die reine Kongreßhalle ohne weitere Tagungsräume vor. Kleinere Tagungsräume befinden sich ausschließlich im Hotelbereich am Standort Aktienbrauerei. Jede Veranstaltung, die eine Kongresshalle dieser Größe füllen kann, benötigt weitere Räume. So hat z.B. jeder Parteitag Bedarf für Pressezentrum, Antragskommisionen oder Präsidiumssitzung. Ein wissenschaftlicher Kongreß besteht aus Plenarveranstaltungen und Workshops in kleinerer Runde. Akquiriert die Stadt Bayreuth eine derartige Veranstaltung, wird sie immer auf die Zusammenarbeit mit anderen Anbietern angewiesen sein. Aufgrund der räumlichen Nähe wird das in der Regel das Tagungshotel in der Aktienbrauerei sein. Damit sind die Interessen der anderen Anbieter berührt.

2. Wie sind die Marktchancen für die Kongresshalle,wie die für das Tagungszentrum?

Gemäß der EITW-Befragung haben 79,3% der Veranstaltungen weniger als 250 Teilnehmende, 14,5% 251 -1000 und 6,1% mehr als 1000 .

Das bedeutet: während Maisel ein Marktsegment von 93,8% zur Verfügung hat (da er die Kongresshalle mit anbieten kann), muss sich die Stadt auf ein Marktsegment von 14,5% beschränken. (Die größeren Veranstaltungen liegen außerhalb der Kapazitäten).

3. Welche Freiheiten gibt es bei der Preisgestaltungfür die Kongresshalle?

Ein Tagungshotel bietet in der Regel eine Mischkalkulation aus Übernachtung, Catering und Tagungsräumen an. Die Stadt hat diese Möglichkeiten nicht: sie bindet sich vertraglich an das Catering von Maisel, muss u.U. noch auf weitere Räume ausweichen (siehe 2) und Übernachtungsmöglichkeiten organisieren. Damit verschlechtert sich ihre Position im Wettbewerb massiv.

4. Welche Bedürfnisse haben die Veranstalter?

Gemäß EITW-Befragung sind die wichtigsten Auswahlkriterien Preis-Leistungsverhältnis, gute Verkehrsanbindung und ein zentraler Ansprechpartner (in dieser Reihenfolge). Zu Preisleistung siehe Punkt 3, die Verkehrsanbindung ist ein bekannter Standortnachteil von Bayreuth. Ein zentraler Ansprechpartner kann zwar nach außen kommuniziert werden, in der Realität ist er aber immer auf den guten Willen von anderen angewiesen.

5. Wo sind die bevorzugten Tagungsstandorte?

Die vom EITW erfragte Rangfolge ist ernüchternd: die Metropolregion Nürnberg liegt in der Rangfolge auf Platz 11 von 12 möglichen Veranstaltungsorten.Ein weiteres Handicap für die Stadt Bayreuth.

6. Wer kann das leisten?

Angesichts dieser Ausgangssituation braucht es schon eine ganz besondere Persönlichkeit, die das Projekt erfolgreich managen kann. Die angesetzten Personalkosten sind illusorisch, ein Mehrfaches wäre dafür nötig. Realistischer ist die Vergabe an eine spezialisierte Agentur. Dann ist eine entsprechende Erfolgsbeteiligung zusätzlich zu kalkulieren.Aufgrund ihrer bisherigen Bilanz ist die BMTG unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten dazu definitiv nicht in der Lage.

7. Warum Marketingkostenerstattung an Maisel?

Maisel erhält von der Stadt einen festen Betrag für das Marketing des gesamten Tagungsbereichs, also unabhängig davon, ob er für seine Einrichtungen wirbt oder für die Kongresshalle. Selbst wenn sich die Kongresshalle nicht vermarkten lässt, erhält er Subventionen, die die bestehenden Kongressmöglichkeiten in der Stadt nicht bekommen. Ein klarer Verstoß gegen die Gleichbehandlung.

8. Glaubwürdiger Beitrag zur Genußregion?

Herr Maisel stellt seine Pläne in den Zusammenhang von Genußregion und Bierkultur.Das darf angezweifelt werden. Schon heute haben Maisel-Produkte (einschließlich Bayreuther Bierbrauerei) ein Fast-Monopol auf dem Bayreuther Biermarkt. Ob er damit der typische Vertreter handwerklicher oberfränkischer Kultur ist, stelle ich in Frage. Für eine Positionierung der Region in einem internationalen Zusammenhang sind es gerade die kleinen Brauereien, die das Alleinstellungsmerkmal glaubwürdig vertreten. Die angedachte Schaubrauerei reduziert Bierkultur auf Disneyland-Format.

9. Was steht nicht in den Verträgen?

Die enge Verbindung zwischen Stadtspitze und Maiselbrauerei legt die Befürchtung nahe, dass eine bevorzugte Position auch bei anderen Berührungspunkten zementiert wird. Wer beliefert das Volksfest? Welches Bier wird bei städtischen Empfängen ausgeschenkt? Wer hat die prominenten Standorte beim Bürgerfest?Privilegien bedrohen die Vielfalt und sind demokratisch fragwürdig.

Fazit:

Das derzeitige Konzept verteilt die Lasten zwischen Investor und der öffentlichen Hand zu ungunsten der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bayreuth. Während die Vermarktung von Tagungszentrum und Hotel dank großzügiger öffentlicher Zuschüsse nicht zuletzt auf Kosten der bestehenden Anbieter Erfolg verspricht, bündeln sich in der Vermarktung der Kongresshalle Wettbewerbsnachteile in nicht zu vertretendem Ausmaß.

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